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Regenbogenreise Vierzigster
Geburtstag.
„Ich
habe Ihre Energiezentren aktiviert.“ vernahm sie das Wesen, das sie
mit zunehmend abtauchender Fantasie an Robbie Williams erinnert hatte.
Aus
der Feuchttraum nach 25 Minuten. Fasziniert
blickte sie in Augen, in denen die Farben des Regenbogens kreisten und
sie an Kaa, die Schlange erinnerten. Reflexartig
fasste sie nach dem Thermen-Bademantel. Im Angesicht der Schlange
wurde sie sich plötzlich ihrer vierzigjährigen Blöße bewusst. „Sind
Sie morgen…“ „…
da habe ich mein Familienwochenende“ vollendete er den Satz. Sie
verknotete den Gürtel, kramte in der Tasche nach dem Obulus und fühlte
sich im einheitlichen XL-Monstrum wie eine Abrissnummer in seinem
08/15-Tagespensum. Das
Wasser leuchtete in intensiverem Blau als zuvor. Eine
Duschkabine zog ihre Aufmerksamkeit an. Orange. Sie
zwinkerte. Er
drehte und wendete sich lustvoll den Massagedüsen zu, völlig
selbstvergessen gab er sich den orangen Wasserstrahlen hin. Trotzdem
hatte sie das unheimliche Gefühl, er inszenierte sein Treiben nur für
sie, die heimliche Beobachterin. Flüchtig
dachte sie an die Worte des Masseurs. An ihre aktivierten
Energiezentren – was immer das heißen mochte - ... Es würde vorbei
gehen, da war sie sich sicher! Sie
stand auf und beschloss, Ablenkung im warmen Wasser zu finden. Sie
schauderte. Dann
blickte sie über die Schulter zurück und traute kaum ihren Augen: Aus
der Dusche strömte noch immer ein Schwall von Orange, obwohl der Hahn
längst geschlossen und der Mann verschwunden war. Der orange Strom
breitete sich über den Fußboden, begann einzelne Liegen und die
darauf Befindlichen einzuhüllen, und ergoss sich ins Wasserbecken. Mittlerweile
stand sie bis zum Nabel im Wasser, sie setzte unaufhörlich einen
Schritt nach dem anderen rückwärts… im vollen Bewusstsein, dass
sie dem orangen Treiben nicht entkommen konnte. Mit
dieser Unverschämtheit hatte sie nicht gerechnet! Mit
einem Hechtsprung tauchte sie kopfüber ins Wasser und floh vor der
warmen Welle, die ihr – wie sie meinte – viel zu nahe getreten
war. Das
Orange hatte keine Eile. Sie
schwamm vorbei an dem Pärchen, das sie zuvor noch in harmonischem Grün
vereint gesehen hatte. War es denn nun die nähere Betrachtung der
beiden? Zwar ließ die Wasseroberfläche – gleich einem Spiegel –
keine unerwünschten Blicke in das Darunter zu. Dennoch spürte sie,
ohne die verzückten Gesichter der beiden näher anzusehen, dass sein
erigierter Schwanz an ihrem Bikinihöschen rieb, dass seine
Fingerspitzen ihre Brustwarzen liebkosten. Im
Vorbeischwimmen meinte sie, orangen Dunst über den beiden
wahrzunehmen… Flucht
war angesagt, das spürte sie ganz deutlich. Ein
paar entspannende Massagen, ein kleines Gesichts-Peeling: schön und
gut. Gegen diesen Genuss war nichts einzuwenden. Das war legitim für
eine Karriere-Mutter-Haus-Frau wie sie… Im
Schwimmen rief sie sich mehr zur Zucht denn zur Ordnung und lenkte
ihre Gedanken auf den begonnenen Rosamunde-Pilcher-Roman, der
geduldig, zeitlos und alles-wie-nichts-versprechend auf ihrer Liege
harrte. Sie
strebte dem Außenbecken zu, durchtauchte die Barriere und atmete
befreiende, frische Luft ein. Sie blinzelte in eine verhangene
Novembersonne, deren strahlendes Gelb auf der dampfenden Wasseroberfläche
reflektierte. Mit schnellem Blick suchte sie Gewissheit, dass das
unverschämte Orange ihre Verfolgung aufgegeben hatte... Sonnengelb
stieg aus dem Nebel auf – mehr konnte sie nicht erkennen. Dennoch
beruhigt zog sie ein paar Kreise im Becken. Nebenbei registrierte sie,
dass sich nur wenige Menschen im Freien befanden. Sie dösten vor den
Massagedüsen oder schienen entspannenden Gedanken nachzuhängen.
Allesamt ältere Jahrgänge - kein halb kopulierendes Pärchen würde
ihre Hormone nun in Aufruhr versetzen! Sie
schloss die Augen und lauschte dem Sprudeln und Plätschern. Sie
wollte sich nicht mehr zieren als ihr angemessen erschien. Deshalb ließ
sich ihren Blick unauffällig im Kreis schweifen: außer einem Mann in
einiger Entfernung – sie schätzte ihn in ihrem Alter – war
niemand in ihrer Nähe. Soweit sie erkennen konnte,
hielt er die Augen geschlossen. Das bisschen Orange, das ihn
umschwebte erregte ihren Verdacht nicht – zu sehr konzentrierte sich
ihre Erregung bereits auf ihren unterirdischen Besucher. Langsam
öffnete sie ihre Beine. Das Kribbeln war nun überall: beginnend bei
den Füßen, die Knie neckisch umspielend, die empfindsame Innenseite
ihrer Oberschenkel entlang... sich hoch schmeichelnd, um sich dann in
einem ungestümen Wirbel in ihrem Lustzentrum zu vereinigen. Staunend
und mit kaum verhaltener Lust blickte sie auf die Wasseroberfläche
vor sich, die das unterirdische Treiben vollkommen zu verbergen
vermochte - einmal abgesehen von dem orange aufsteigenden Dampf... Es
verleitete sie, ihre Finger abwärts gleiten zu lassen, doch ein
gewaltiger Sog zog ihre Hand zurück an die Wasseroberfläche. Nun gut
– sie würde sich in ihr Wohlergehen ergeben und diese seltsame
Energie gewähren lassen, ihre moralischen Bedenken waren schon längst
fortgespült... Er
lächelte ihr zu. Im
Zusammentreffen ihrer Blicke spürte sie eine völlige Verschmelzung
von Erregung und Lust. Sie hielt seinem Blick – seinem unverhohlenen
Begehren - stand bis sie ein wohliger Schauer mit riss und sie das
Aufbäumen ihres Körpers nicht unterdrücken konnte. Erschöpft
schloss sie die Augen. Also
alles nur ein Feuchttraum. Sie
seufzte und verließ ihren Platz, um in Richtung Halle zu schwimmen.
Bevor sie hinein tauchen wollte, verspürte sie jedoch etwas in ihrem
Rücken und drehte sich um. Sie
blickte in zwei lächelnde Augen, auf ein unverschämtes Grinsen und
vernahm ein „Danke für alles!“ Brigitta Mathes ©
2003 by Brigitta Mathes. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe
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